Blogpost


Die Ess-Kastanie (Castanea sativa)

|
Baumhaus GmbH Wiesbaden
News |

Der Baum des Jahres 2018.

"Die Kastanie ist das Dessert für die Tafel der Reichen sowie das Fleisch für die Armen."
Jacques Daléchamps (1513-1588, Botaniker und Arzt aus Lyon)

Im vergangenen Oktober in Berlin vergeben, ist die Auszeichnung für 2018 in zweifacher Hinsicht bemerkenswert. So wurde der Titel „Baum des Jahres von der gleichnamigen Stiftung unter der Leitung von Dr. Silvius Wodarz immerhin bereits zum 30. Mal verliehen. Gekürt wurde zum Jubiläum allerdings eine Baumart, die eigentlich aus dem Mittelmeerraum stammt und in Deutschland natürlicherweise gar nicht verbreitet ist. Die Ess-Kastanie oder auch Edelkastanie gehört zur Familie der Buchengewächse und ist nicht mit der wohlbekannten Rosskastanie verwandt, die wiederum zur Familie der Seifenbaumgewächse zählt.

Ess-Kastanien sind sommergrüne Bäume, die durchschnittlich 20 bis 25 m, maximal 35m hoch werden. Sie können 500 bis 600 Jahre, in Einzelfällen sogar über 1000 Jahre alt werden und einen enormen Stammumfang erreichen. Verbreitet sind sie im gesamten Mittelmeerraum und man weiß, dass die alten Griechen schon um 400 vor Chr. in ihrer Kolonie Massalia, dem heutigen Marseille, Ess-Kastanien angebaut und gehandelt haben.

Allerdings waren es dann wohl die Römer, die die Ess-Kastanie zu uns nach Norden brachten und in den besetzten Gebieten Germaniens für deren Anbau, Veredlung und Verarbeitung sorgten. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Kultivierung der Ess-Kastanie und die Tradition des Weinanbaus vor allem im süddeutschen Raum für fast 2000 Jahre eng miteinander verbunden waren. Ess-Kastanien lieferten nicht nur wertvolle Früchte für Mensch und Vieh, sondern auch sehr verrottungsbeständiges Holz, vor allem als Rankhilfen für die Rebstöcke, als Pfähle oder für Fassdauben.

Maronen, die leckeren Früchte der Ess-Kastanie, verbinden wir heute vor allem mit einer Nascherei auf dem Weihnachtsmarkt oder mit einem delikaten Füllmaterial für die Weihnachtsgans. Mancher weiß inzwischen auch zu schätzen, dass daraus gewonnenes Mehl glutenfrei ist. Völlig in Vergessenheit geraten ist jedoch, dass die fettarmen aber stärkereichen Kastanienfrüchte vor allem in den kargen Bergregionen Südeuropas vom Mittelalter bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ein Hauptnahrungsmittel für die Landbevölkerung war. Gedörrt waren Früchte oder Mehl bis zu zwei Jahren haltbar und als letzte Vorräte vor allem in Hungerzeiten unverzichtbar.

Das wärmer werdende Klima lässt es zu, die in Süddeutschland schon heimisch gewordene Ess-Kastanie auch in nördlicheren Gefilden zu dauerhaft anzusiedeln. Als stattlichen Park- oder Alleebaum, aber auch als Gewächs in der Forstwirtschaft, das gutes Holz und ein hervorragendes Brennmaterial liefert.

Viele weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: Stiftung Baum des Jahres

Fotonachweise: (Titel) B. Gimmel; (1. Reihe v. li.) Darkone, J.-P. Grandmont, A.Rohloff; (2. Reihe v. li.) Wildfeuer, G. Schlickers; (3. Reihe v. li.) Steindy, T. Crazzolara

Wissenswertes